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ERINNERUNGEN EINES GRÜNDUNGSMITGLIEDES

Was hatte mich bewogen meine Gedanken zur Gründung des Polizeisportvereins Cottbus 90 e.V. nieder zu schreiben?
Es waren damals bewegte geschichtliche Zeiten, die so nicht wieder kommen.
Vieles gerät in Vergessenheit, wichtiges versinkt in die Bedeutungslosigkeit oder wird verfälscht dargestellt.
Ich möchte diese Zeit – immerhin habe ich den PSV Cottbus 90 e.V. 11 Jahre als ehrenamtlicher Geschäftsführer
geleitet – aus meiner Sicht darstellen.  

Die Sportvereinigung „Dynamo“ haben die jungen Sportler nie kennen gelernt. Auch hier war ich viele Jahre tätig.
Gerade diese jungen Sportler, sollen die Möglichkeit haben in unserer Geschichte nachzublättern. Ohne Geschichte
wird es auch keine Tradition geben. „Nichts ist gewöhnlicher als Weltbetrachter, die über wehrlose Menschen früherer
Zeiten zu Gericht sitzen und dabei Werte ihrer eigenen Gegenwart als Maßstab gebrauchen“.

                                                                                                (Norbert Elias)
                                                                                                    Publizist
 


GRÜNDUNG DES PSV COTTBUS 90 e.V.

Prolog

Mit der politischen Wende, waren plötzlich alle „heiligen Kühe“ zum Schlachten frei gegeben. Eine „heilige Kuh“ war
u. a. der Sport, konkret der Nachwuchsleistungssport. Das hieß, dass der Sport, für den bisher große finanziellen Mittel
bereitgestellt wurden, um u. a. damit wirtschaftliche Leistungsstärke der DDR international zu präsentieren, in die Be-
deutungslosigkeit abglitt. Es gab nur noch minimale finanzielle Unterstützung in dieser Übergangsphase. Nur wenige 
Sportfunktionäre wussten wo – und wenn überhaupt – wie viele finanzielle Mittel zu beantragen, wie und wofür sie zuerst
einzusetzen waren.

Fast alle damaligen „bezahlten“ Sportfunktionäre mussten sich ab sofort um ihre eigenen Probleme kümmern, um
über leben zu können. Viele erfolgreiche Trainer des DDR- Leistungssports mussten ins Ausland gehen, trotz heraus-
ragen der Leistungen im internationalen Sport. Für sie war bei uns plötzlich keine Verwendung mehr vorhanden. Für
den Freizeit- und Nachwuchsleistungssport hatten sie unter diesen Bedingungen leider keine Zeit mehr.

Im Vorfeld der Auflösung der Sportvereinigung „Dynamo“ nahm ich bereits 1989 an einer Beratung des Polizeisport-
kuratoriums der BRD teil. Durch den damaligen Vorsitzenden und späteren Abteilungsleiter der Polizei in Mecklenburg-
Vorpommern, Herrn Heinrich Heinsen, wurden klar die Strukturen der Polizeisportvereine aufgezeigt. Daraus schluss-
folgernd war jedem klar, dass es zukünftig keine hauptamtlichen Trainer in der Polizei geben kann und wird, die aus-
schließlich für den Nachwuchsleistungssport tätig sind.

Diese Informationen waren für mich, in meiner Eigenschaft als Verantwortlicher des Nachwuchsleistungssports der
SV Dynamo im Bezirk Cottbus die entscheidende Voraussetzung, viele gut ausgebildete Trainer( 21), medizinisches
( 1Ärztin und 1 Krankenschwester) und technisches Personal(u. a. 6 Busfahrer und 1 Bootsbauer), in andere Polizei-
dienststellen zu versetzen. Voraussetzung war ihr Einverständnis sich für eine neue Tätigkeit weiterbilden zu wollen.

Für ihre bisherige Arbeit hätten besonders unsere Trainer,  nirgendwo eine Beschäftigung erhalten, so erfolgreich sie
auch bisher waren und obwohl alle eine Hochschulausbildung besaßen.

Einige Weltklasseathleten hatten bei unseren Trainern die entsprechenden Grundlagen für ihre spätere erfolgreiche
internationale Entwicklung erhalten. ( Schw.:Dirk Richter, Sylvia Gerasch, Steffen Zesner; Rudern: Marco Geißler und
Kathrin Schneider, geb. Pieloth, Leichtathl.: Christine Brehmer-Lathan, Romy Schneider, Gold in der 400 m – Staffel
bei Olymp. Sp. 1980).

Durch diesen sofortigen Beginn von Versetzungsmaßnahmen konnten wir einige Trainer in Polizeidienststellen ver-
setzen und auch in Trainingsortnähe halten. Auf Grund der kurzfristigen Kündigungszeiten war es leider nicht möglich
für alle Mitarbeiter eine zufrieden stellende Lösung zu finden. Einige konnten es gar nicht begreifen, dass ihr Arbeitsfeld
plötzlich nicht mehr existiert, die Arbeit mit Kindern nicht mehr möglich ist.

Für den Nachwuchsleistungssport hatte in der „Phase des Zusammenwachsens was zusammen gehört…“ niemand
Geld und auch kaum Interesse. Für die Trainingsplätze, Sporthallen und den Fuhrpark der damaligen SV „Dynamo“ des
Bezirkes Cottbus, gab es plötzlich keine Zuständigkeiten mehr. Das technische Personal hing völlig in der Luft. Auch
dafür mussten unbedingt praktikable Lösungen gefunden werden.
Aber wer fühlt sich verantwortlich?
Wenn es da nicht einige Unentwegte gegeben hätte, wäre aus dem Cottbuser Sportplatz  an der Schlachthofstraße ein
Lagerplatz oder ähnliches geworden. Anträge für eine wirtschaftliche Nutzung gab es schnell und genügend.




DIE GRÜNDUNGSIDEE EINES POLIZEISPORTVEREINS 1990


Zwei „Sportverrückte“,  K.-D. Stellmacher (genannt Stelli) und ich wollten nicht zusehen, wie alles den Bach runtergeht.
Viele Eltern unserer Sportler erwarteten ja auch Antworten, ob und wie die Kinder weiter Sport treiben können.

Fazit:

Wir müssen einen Verein gründen!
Viele Fragen wurden gestellt aber wenige schlüssige und plausible Antworten gefunden. Also machten wir uns bei
Vereinen in den alten Bundesländern schlau. Dienstliche und sportliche Kontakte nach Berlin, Mainz, Wuppertal,
Saarbrücken und Kassel wurden geknüpft und genutzt. Es musste eine völlig neue Organisationsform geschaffen
werden, denn den Nachwuchsleistungssport wie wir ihn kannten, gab es dort nicht.

Viel Literatur wurde gesichtet und gelesen, um u. a. die gesetzlichen Grundlagen und die Voraussetzungen für die
Bildung eines Vereins zu kennen. Es musste eine Satzung her, eine Finanzrichtlinie u. a. entworfen werden, Anträge
wurden an das Amtsgericht gestellt, zahllose Gespräche geführt, mit Firmen, Dienststellen, bisherigen Sportfunk-
tionären, Eltern, Übungsleitern und solchen die es werden wollten und, und….. .

Ich erinnere mich noch, als Klaus-„Stelli“ seinen ersten Satzungsentwurf vortrug, war das für viele Mitglieder ein schwer
verständlicher Paragraphenwald. Aber wir lernten schnell. Wir wollten ja auch aus eigener Kraft etwas auf die Beine
stellen. Plötzlich wurden wir zu einem Wirtschaftsunternehmen, denn das Verwaltungsgebäude am Sportplatz in der
Schlachthofstraße mussten wir soweit wie möglich vermieten, um Geld für die Unterhaltung und Nutzung zu bekommen.
Es wurden Finanzpläne und Kalkulationen angestellt, Mietverträge entwickelt, ein Saunabetrieb eingerichtet und Werbe-
verträge abgeschlossen. Das war für uns eine völlig neue Situation!
Sie wurde nicht leichter, wenn man bedenkt, dass wir keinen „Pfennig“ in der Tasche hatten. Viel Lehrgeld haben wir
gezahlt, aber wir haben uns nicht entmutigen lassen. Wenn wir nicht mehr weiter wussten, erhielten wir uneigennützige
Hilfe von Sportfreunden aus Berlin und Nordrein-Westfalen.




DIE GRÜNDUNG UND VIELE OFFENE FRAGEN


Die verbliebenen Sportverrückten, die einen Verein gründen wollten, brauchten auch einen repräsentativen Vorsitzenden..
Was lag näher, als den damaligen Leiter der Kreispolizeibehörde Cottbus, Gerd Röseberg, zu gewinnen.
Gerd Röseberg war lange Jahre Vorsitzender der SG „Dynamo“ Cottbus - Mitte, deshalb fielen unsere Worte bei ihm auf
sportlich-fruchtbaren Boden. Aber wer würde sich für die Aufgaben des Finanzbereiches bereit erklären?
Frau Elvira Dieke, aus der Abteilung Finanzen der damaligen Bezirkpolizeibehörde, die später bei der Kriminalpolizei
tätig war, eine Frau mit Herz und Blick für das nötige Geld wurde gewonnen. Viele Überredungskünste benötigten
wir nicht.

Den Sport in der Polizei gab es in unserer Region aber bereits seit1894.  In der Cottbuser Gendarmerie – Offiziersstation
wurde bereits Sport getrieben, aber mit völlig anderen Absichten und Zielstellungen. Im Juli 1921 wurde der erste Polizei-
sportverein gegründet, der VfL(Verein für Leibesübungen) Polizei Cottbus. Dieser Verein war ausschließlich für die
„Körperertüchtigung“ der Junggendarmen in ihrer dienstfreien Zeit gegründet worden.
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Der Name „Polizeisportverein“  lag also nahe. Die Tradition, die mit dem Bau unseres Sportplatzes an der Schlachthof-
straße durch Polizisten 1954 begonnen wurde, sollte fortgesetzt werden. Beim Stöbern in alten Unterlagen wurde sogar
ein alter Stempel, mit dem Aufdruck Polizeisportverein gefunden, der nun sorgfältig verwahrt wird.

In unserem Polizeisportverein sollten aber alle Sportinteressierten Sport treiben können. In dieser schwierigen Über-
gangsphase haben unsere Übungsleiter, Helfer und Eltern, ohne die kein Sport funktioniert, auf viel Geld verzichten
müssen, da für Fahrten zu den Wettkämpfen und für das Training nur sehr wenig Geld vorhanden war.
Viele Monate hatten wir uns so über Wasser gehalten.

Am 19.06.1990 führten wir unsere Gründungsveranstaltung durch. An dieser Veranstaltung nahmen die Delegierten von
vier ehemaligen Dynamo-Sportgemeinschaften teil. Gerd Röseberg, Leiter der damaligen Kreispolizeibehörde Cottbus,
wurde einstimmig als Vorsitzender gewählt.

Im gleichen Jahr wurde unser Polizeisportverein in das Vereinsregister eingetragen. In damaligen Zeit bestand unser
PSV aus den Interessenabteilungen: Boxen, Fußball, Judo, Rudern, Kraftsport, Schießen, Volleyball und Schwimmen.
Diese waren übrig geblieben aus den ehemaligen fünf Cottbuser Dynamo- Sportgemeinschaften. Insgesamt hatten wir
zu diesem Zeitpunkt 340 Mitglieder, hauptsächlich Kinder und Jugendliche.

Als der Vorsitzende Herr Gerd Röseberg Ende 1990 aus gesundheitlichen und dienstlichen Gründen sein Amt nicht
mehr ausüben konnte, übernahm sein Nachfolger Bernd Schneider seine Aufgabe. Bernd Schneider war Sport,
besonders aber boxbegeistert, also hatte er auch Verständnis für unsere Probleme.
Die ehrenamtliche Führung des PSV wurde in der Anfangsphase, bedingt durch die Vielzahl an gesellschaftlichen
Veränderungen, durch den Weggang von Vorstandsmitgliedern aus dienstlichen, familiären und persönlichen Gründen
immer mehr geschwächt.

Hinzu kam, dass der Vorsitzende unseres PSV, Sportfreund Schneider, zusätzliche Aufgaben als Präsident des Box-
sportverbandes Brandenburg zu erfüllen hatte und sein Amt als Vorsitzender des PSV zur Verfügung stellte. Dem Namen
Polizeisportverein Cottbus 90 e.V. wurden wir kaum noch gerecht, es waren nur noch wenige Polizeibedienstete im
Verein als Mitglieder registriert. Eine völlig neue Struktur war notwendig, wenn wir unseren Verein halten wollten.
Die zermürbenden Aufgaben der wirtschaftlichen Unterhaltung der Objekte waren für die verbliebenen Verantwortlichen
Stress pur und hatten nichts mit Sport im eigentlichen Sinne zu tun.

Deshalb kam es nicht mehr zu einer geregelten Vorstandsarbeit und die Führung der Interessenabteilungen litt ebenfalls
darunter. Letztlich blieben die Finanzerin und ich als Geschäftsführer übrig und waren  die einzigen Ansprechpartner für
die Interessenabteilungen.




DIE „TREUHAND“ ALS UNTERSTÜTZER DES SPORTS?


Als Beauftragter zur Auflösung der SV Dynamo des Bezirkes Cottbus musste ich mich, als Geschäftsführer des
PSV C90 e.V., am 29.09.1990, spontan entscheiden, ob ich nach Berlin zum „Komitee zur Auflösung des ehemaligen
Amtes für Nationale Sicherheit“
 fahren und die Nutzungsrechte für die bisherigen Sportstätten der SV Dynamo
beantrage. Viel Bedenkzeit hatte ich dafür aber nicht.
                                                        
In einer (fast) Nacht- und Nebelaktion fuhr ich, am 30.09.1990,  nach Berlin in die Normannenstraße in die einstige
„Stasizentrale“. Dort erhielt ich die Verträge zur weiteren Nutzung aller Sportanlagen bzw. Sportstätten der SV „Dynamo“
des damaligen Bezirkes Cottbus, ausgehändigt.
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Mit den Verträgen für die Verwaltung und Nutzung aller Sportstätten und -anlagen der SV Dynamo des damaligen
Bezirkes Cottbus, fingen die Probleme erst richtig an. Das waren: Weißwasser (Boxhalle), Hoyerswerda(Turnhalle),
Senftenberg (Ruderstätte), Forst(Fußballanlage), Cottbus (Fußballplatz, Ruderanlage und Verwaltungsgebäude) und
Jessern (Ruderstätte mit Bootshäusern, Bungalows, Unterkunftsgebäude mit großzügigen sozialen Einrichtungen,
Bootsstege und Ruderboote nebst Motorbooten).Alle Sportstätten mit Verwaltungsgebäude mussten bewirtschaftet
und versichert werden, aber dazu  war kein Geld da!  Mit diesen Sportstätten konnte ja kein Geld eingenommen werden.
Von wem denn? Diese Trainingsstätten waren doch nur für Kinder und Jugendliche(Nachwuchsleistungssport)
konzipiert. Strom, Heizung und Wasser mussten aber bezahlt werden.

In vielen mühseligen und nervenaufreibenden Absprachen mit den Kommunen und anderen staatlichen Einrichtungen,
haben der Vorsitzende, Klaus Zacharias und ich als Geschäftsführer des PSV, erreicht,  dass einige Objekte aus unserer
Verantwortung genommen wurden. Die zuständigen Kommunen hatten ja ebenfalls kein Geld für die Unterhaltung dieser
Sportstätten. Es waren ja für sie nur Zuschusseinrichtungen, die keinen Gewinn brachten. Andere Sportstätten nahm
das „Komitee zur Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit“, (später Treuhand) nach umfangreichen
Schreiben und Anträgen  des Vorsitzenden unseres PSV wieder zurück.

Für den Polizeisportverein Cottbus 90 e. V. blieben die Rudersportstätte in Jessern und der Sportplatz in der Schlacht-
hofstraße übrig. Unser Sportplatz, obwohl - wie bereits erwähnt - von vielen Polizisten 1954 in freiwilligen Arbeitsein-
sätzen gebaut, fand auch beim damaligen amtierenden Polizeipräsidenten, Herrn Rüdiger von Schönfeld keine Über-
lebungschance.„Brauchen wir nicht! weder als Ausbildungs- noch als Sportstätte für den Polizeidienstsport“.
War seine ablehnende Antwort.

Das Aus für den Sportplatz an der Schlachthofstraße ?
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Große Probleme bereiteten uns die Bewirtschaftung dieser Sportanlagen und -stätten. Bis auf den Sportstättenleiter,
Heizer und Platzwart in Cottbus (alles in einer Person),  musste jetzt alles ohne hauptamtliche Mitarbeiter bewerkstelligt
werden. Nur als Vergleich: zur DDR-Zeit waren für die Sportstätte an der Schlachthofstraße, ein Sportstättenleiter, zwei
Heizer, zwei Platzwarte und eine Reinigungskraft tätig. Jetzt blieb für diese Aufgabe nur eine Person übrig!
Es war kein Geld für  mehr Beschäftigte vorhanden.

Aus den Mitgliedsbeiträgen, war es betriebswirtschaftlich nicht finanzierbar. Trotz Vermietung einiger Räume im Haupt-
gebäude und Werbeeinnahmen standen wir kurz vor dem Exitus, denn die Schulen, Feuerwehr (nicht mehr zur Polizei
gehörig) und Kindergärten nutzten unser Objekt weiter unentgeltlich.
Mit dem Mut der Verzweiflung hatten Klaus Zacharias, der neue Vorsitzende und ich dem damaligen sportbegeisterten
Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt unsere Probleme dargelegt. Ab Juli 1993 wurde das Sportobjekt in der
Schlachthofstraße endgültig mit Reiner Hentsch, als Platz- und Hausmeister, aus unserer Verantwortung in kommunaler
Obhut übergeben.

Für alle Beteiligten war das eine gute Entscheidung. Aus heutiger Sicht bin ich immer noch stolz, dass wir uns solange
über Wasser gehalten hatten.

Unser Polizeisportverein bestand 1993  zu 80 % aus Kinder und Jugendlichen. Die erwachsenen Mitglieder waren
hauptsächlich Übungsleiter und Betreuer. Eine Pflichtmitgliedschaft von Polizisten wie zu DDR- Dynamo - Zeit gab es
bei uns nicht. Deshalb auch der geringe Mitgliederanteil an Erwachsenen.

In der zweiten Mitgliederversammlung, am 16.12.1991, wurde Klaus Zacharias, Abwesenheitsvertreter des Polizei-
präsidenten, zum Vorsitzenden gewählt. (weitere Mitglieder, lt. Protokoll! Im Anhang)

Seine Kontakte und seine Erfahrungen waren für die weitere Entwicklung des Vereins besonders wichtig. Er war
Mitglied der Polizei –Turner- Riege Nordreihn-Westfalen, ein gestandener Polizeidirektor der Kontakte zu den Stadt-
häuptern und Leitern von Institutionen nicht scheute. Polizeipräsident Jürgen Lüth wurde auf dieser Versammlung zum
Ehrenpräsidenten gewählt. Damit hatten wir noch mehr Unterstützung in der ehrenamtlichen Tätigkeit der Übungsleiter
in unserem Verein. Die Freistellungen für Training und Wettkämpfe klappten nun wesentlich besser.

Ich erinnere mich gern an diese Zeit, es war beinahe wie „früher“, als wir bei den Dienststellenleitern und anderen Vor-
gesetzten ausdrücklich darauf verweisen konnten, dass der Polizeipräsident und sein Stellvertreter hinter unseren
Anträgen, wie Freistellungen für Übungsleiterqualifikationen und -Weiterbildungen o.ä. stehen. Sie wurden oft, wenn
auch etwas Zähne knirschend, bestätigt.

Trotz ehrenamtlicher Leitung, konnten wir immer mehr Mitglieder für unseren PSV gewinnen. Bereits 1992 hatten wir
mehr als 600 Mitglieder. Unsere positive finanzielle Entwicklung ist von Anfang an der verantwortlichen Finanzerin,
„klein von Gestalt, aber gewaltig in ihrem Umgang und Verwalten von Geld“, Sportfreundin Elvira Dieke, zu verdanken.
Sie erzog im wahrsten Sinne des Wortes die Übungsleiter und Funktionäre zum sparsamsten Umgang mit den
Finanzen. Dadurch konnten wir sogar einen gebrauchten Kleinbus (Barkas B1000) erwerben und damit besonders für
die kleinen Sportler die Wettkampffahrten absichern.

Immer wieder hatten wir Auseinandersetzungen mit der Treuhand zu bestehen, die unsere Sportanlagen in Jessern
(Rudern) und Cottbus (Sportplatz und Hauptgebäude) anderen Betreibern  übergeben wollten bzw. Geld für die Nutzung
von uns haben wollten. Hier gilt besonders unserem damaligen Vorsitzenden, Klaus Zacharias und seiner sprich-
wörtlichen Hartnäckigkeit der Dank, dass wir diese Auseinandersetzung erfolgreich bestanden haben.

Durch die ins Leben gerufenen neuen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes(ABM), erlebte unser Polizei-
sportverein einen unerwarteten Auftrieb. Wir hatten mitunter 6 ABM- Beschäftigte in den Sportarten Schwimmen, Fußball
und Rudern, alles ausgebildete Trainer, die vorwiegend aus unserem ehemaligen Verantwortungsbereich kamen.

Diese qualitative Veränderung war auch in den Wettkampfergebnissen der Sportabteilungen deutlich zu spüren. Leider
konnten diese Planstellen nicht aufrechterhalten werden, denn sie waren uns nur befristet zur Verfügung gestellt, mit
dem Ziel, dass wir sie nach Ablauf eines Jahres in eine feste Anstellung übernehmen.
Das war natürlich Utopie.




DER PSV C 90 IN DER ÖFFENTLICHKEIT


Der PSV hat wesentlich mit dazu beigetragen das Image der Polizei zu verbessern. In unserer Satzung steht, dass wir als
Polizeisportverein offen für alle Bürger sind. Diesen Anforderungen sind wir stets gerecht geworden. Besonders im
Fitnessbereich kamen junge Menschen zu uns, die oftmals aus welchen Gründen auch immer nichts mit der Polizei zu
tun haben wollten. Der ständige Kontakt mit Polizeikollegen während des Trainings, hat einige dann doch nicht lange bei
uns gehalten, andere wiederum änderten ihre Haltung zur Polizei.

Gemeinsame Veranstaltungen des Polizeipräsidiums und des PSV dokumentierten sehr deutlich unsere offene und
bürgerfreundliche Einstellung. Bereits das Internationale Volks- und Polizeifest 1992 und viele nachfolgende inter-
nationale Musikveranstaltungen
brachten dem Polizeipräsidium Cottbus und Polizeisportverein Cottbus 90 e.V. zwar viel
Arbeit aber auch Anerkennung und sogar etwas Geld ein.

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Zu Freizeit- und Sportmessen waren wir stets mit eigenen Auftritten und Präsentationen vertreten und dokumentierten
die Zugehörigkeit zur Polizei. Bei vielen Jugendlichen haben wir das Interesse für den Beruf eines Polizisten geweckt.
Besondere Höhepunkte waren immer die Auftritte der Interessenabteilungen der Hundesportler und der Judokas in
Schulen und zu Stadtfesten. Der Challange Day, am 17.09.97, an dem wir mit der schottischen Stadt Lisburn um die
meisten sportlichen Aktivitäten an diesem Tag wetteiferten, hatten wir mit den Polizei- und Justizdienststellen als
eigenes, gemeinsames Sportfest, mit vielen volkstümlichen Wettbewerben, ausgerichtet.

Als sich uns (1997)das Cottbuser Kindermusical  nicht ganz uneigennützig anschloss, hatten wir einen weiteren Bonus
in der Öffentlichkeit. Denn an den Weihnachtsaufführungen des Kindermusicals, die wir für die Kinder der Polizeibe-
diensteten organisierten, konnten auch andere Kinder des Schutzbereiches Cottbus und aus anderen Schutzbereichen
teilnehmen.

Das Rudersportzentrum in Jessern war auch eine willkommene Gelegenheit für viele Kinder, die mit ihren Schulklassen
auf, im und am Wasser und stets an frischer Luft bei Sport und Spiel (fern von ihren Eltern) interessante Stunden
verlebten.




DIE MÖGLICHKEITEN DER SPORTLICHEN BETÄTIGUNG IM PSV


Im PSV hatten sich im Laufe der zurückliegenden 11 Jahre 10 Interessenabteilungen gebildet, die für jeden Sportinteres-
sierten vielfältige Betätigungsmöglichkeiten erlaubten. (Satzung des PSV C 90)
Neben den mitgliederstarken Abteilungen wie Schwimmen, Fußball, Judo, Schießen und Rudern, kamen die
Abteilungen: Boxen, Volleyball, Hundesport, Kraftsport/Fitness und später auch noch das Cottbuser Kindermusical dazu.
Innerhalb des Stadtsport bundes Cottbus hatten wir die meisten Abteilungen und rangierten hinter dem Hochschul-
sportverein der Brandenburgischen Technischen Universität an 2.Stelle in der Mitgliederanzahl. 

In der Abteilung Boxen hatte der damalige Trainer, Wolfgang Barbyer, als einer der ersten Trainer überhaupt, 1994 mit
dem Mädchenboxen angefangen. Der erfolgreichste Boxer dieser Abteilung ist der inzwischen mehrfache Deutsche
Meister Enrico Wagner, der jetzt beim Cottbuser Boxclub trainiert.




WAREN ALLE ENTSCHEIDUNGEN RICHTIG?

Aus dem bisher nieder Geschriebenen, ist die Frage erlaubt, ob alle damals getroffenen Entscheidungen richtig waren.
Sicher, es ist nichts so gut, dass es nicht noch besser gemacht werden könnte. Aber alle Entscheidungen wurden aus
dem damaligen Wissens – und Erkenntnisstand und nach bestem Wissen und Gewissen getroffen.

Wir haben im Interesse der sportspezifischen Weiterentwicklung unserer Talente und der Bündelung der Kräfte, Sport-
abteilungen in andere Vereine übergeben oder haben der Gründung eines eigenständigen Vereins aus einer unserer
Sportabteilung zugestimmt.

So z. B. haben die Fußballer, mit ihren vielen unterschiedlichen Spiel- und Altersklassen 1997 ihren eigenen Verein,
VfB Cottbus 97, gegründet. Heute denke ich immer noch, dass es wohl  ein sehr faden scheiniger Grund  war als
Argument für eine Verselbständigung: „….die Männermannschaft würde bei ihren Auswärts spielen stets als Stasi-
oder Bullenmannschaft
beschimpft werden.“ Nun, zu diesem Zeitpunkt spielte nur ein Polizeibediensteter in der
Mannschaft. Andere Abteilungen hatten dieses Problem nicht, obwohl wesentlich mehr Polizeibedienstete dort tätig
waren.

Auch das Cottbuser Kindermusical, welches hervorragende Möglichkeiten durch das Polizeipräsidium für ihre Übungen
und Aufführungen geboten bekam, gliederte sich aus unseren Verein aus und schloss sich 2002 dem Konservatorium
Cottbus an.

Die Ruderer beantragten 2005 als ein eigenständiger Verein geführt zu werden. Auch diesem Antrag wurde statt gegeben.
Das bewegliche und unbewegliche Sachvermögen, mit den Bootshäusern, Bootsanlagen. Ruder- und Motorbooten,
sowie das Unterkunftsgebäude wurde der Leitung der Ruderer unentgeltlich überlassen. Eine Entscheidung, die ich
heute noch bedauere. Durch Profilierungsneurosen einzelner Rudersportfunktionäre wurde die Kluft zwischen
PSV – Vorstand und der Leitung der Interessenabteilung Rudern immer größer, so dass dann dieser Kompromiss
getroffen wurde.

Heute betätigen sich in den Sportabteilungen Schwimmen, Judo, Schießen die Kinder und Jugendlichen im Freizeit-
und Wettkampfsport. Die Schwimmer haben aufgrund ihrer Leistungen, seit ihrer Gründung, den Status eines Landes-
stützpunktes mit einer hauptamtlichen Trainerin. Die Schwimmer könnten wesentlich mehr Mitglieder aufnehmen, aber
es scheitert an den gegenwärtig knappen Trainingskapazitäten.

Die Sportabteilungen Volleyball, Fußball( nur Erwachsene), Hundesport und Kraftsport/Fitness sind hauptsächlich im
allgemeinen Freizeit- oder Volkssport tätig. Alle Abteilungen sind in ihrer Mitgliederentwicklung stabil.




Die POLIZEISTRUKTURREFORM UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DEN PSV

Das  Jahr 2000 war wiederum für viele Mitglieder und Funktionäre mit einschneidenden Veränderungen verbunden.
Da Dienstbereiche neu besetzt werden mussten, der Arbeitsgegenstand für einige Bedienstete weg fiel, mussten sich
viele neu bewerben. Das hieß auch, dass die Dienstorte sich veränderten.

Auch ich, der bislang in der Pressestelle des damaligen Polizeipräsidiums Cottbus verantwortlich für die Öffentlichkeits-
arbeit war, nahm eine ähnliche Tätigkeit im Schutzbereich Oberspreewald – Lausitz auf.
Der Vorsitzende, Klaus Zacharias und auch ich als Geschäftsführer konnten unsere Aufgaben auf Grund räumlicher
Entfernungen zwischen Dienst und Vereinsort nicht mehr im bisherigen Umfang wahrnehmen.

Die freundschaftlichen Kontakte zu einem meiner einstmaligen Trainer, Uwe Sachse, und einige kleine „Überredungs-
künste“ führten dazu, dass Uwe meine Geschäfte übernahm. Ich weiß nicht, was aus dem Verein geworden wäre,
wenn Uwe abgelehnt hätte. Niemals so ein stabil, wie er sich jetzt präsentiert! Auch die jetzige Führungsriege, mit dem
Schutzbereichsleiter, Olaf Fischer, als Vorsitzender an der Spitze, ist  sich ihrer Verantwortung bewusst. Als aktiver
Kletterer wird er mit seiner Mannschaft kleine und auch größere Hindernisse überwinden.
( Weitere Mitglieder des Vorstandes lt. Protokoll im Anhang)




EPILOG


Viele Gedanken habe ich mir über den Polizeisportverein Cottbus 90 e. V. gemacht, der nach wie vor mein Verein ist.
So manche Phase habe ich als ehrenamtlicher Geschäftsführer des PSV noch mal geistig durchlebt. Sicherlich habe
ich in meiner Aufgabe auch Fehler gemacht, aber stets in bester Absicht und ehrlichem Wollen. Ich habe mich stets
mit meinem Verein identifiziert und mit ihm gelebt.

Aber noch einmal als Auflöser einer Sportvereinigung oder eines Vereins tätig zu sein, das möchte ich auf keinen Fall.
Diese Zeit war einerseits eine schlimme Erinnerung und Erfahrung, weil damals im Interesse einer bestmöglichen
Beschäftigung der Mitarbeiter und sehr knapp bemessenen Zeit über den Köpfen der Mitarbeiter hinweg entschieden
werden musste, wo und wie sie weiter beschäftigt werden können. Andererseits war es auch eine gute Zeit, weil viele
Kinder und Jugendliche für sehr wenig Geld eine sinnvolle Beschäftigung erhielten, meine Kollegen und Mitarbeiter
eine erfolgreiche Arbeit leisteten und viele Sportfreundschaften über Ländergrenzen entstanden sind.

Wenn ich auch das Beste gewollt habe, das Beste war oft nicht genug. Nach den vielen Knüppeln, die man mir in den
Weg gelegt hatte, hätte ich auch ein guter Hürdenläufer werden können. Jetzt, nachdem ich aus dem aktiven Dienst der
Polizei
ausgeschieden und in den altersgerechten Ruhestand gegangen bin, werde ich mich der weiteren Entwicklung
des Polizeisportvereins widmen. Als Vorstandsmitglied werde ich die wichtigsten Ereignisse im Verein chronistisch
betrachten.

Dazu gehört auch die sportgeschichtliche Entwicklung in unserem unmittelbaren Umfeld. In einigen Jahren werden
Fragen zum Nachwuchsleistungssport, der Spartakiadebewegung usw. in unserer Region auftauchen, die dann schwer
zu beantworten sind. Alle unsere Mitglieder sind aufgerufen, alte historische Fotos oder auch Schriften und Notizen mir
oder dem Vorstand kurzfristig zur Verfügung zu stellen.

Ich bin überzeugt, dass dieser PSV Cottbus 90 e. V. auch weiterhin eine stabile Größe in der Stadt Cottbus sein wird,
wenn jeder sein Beitrag dazu leistet. Ich werde mein Mögliches dazu tun.



Peter Boenki